Gedanken vom 17. Juni 2003
Gedanken vom 12. Dezember 2005
Gedanken vom 14. Dezember 2006
  17. Juni 2003
Lieber Scheeli,
Immer wieder stellen wir uns die gleiche Frage : Warum ?
Warum mußte ein so junger und gesunder Mensch sterben ?
Aber wir finden keine Antwort. Eine Antwort, die uns vielleicht helfen könnte,
unsere Fassungslosigkeit über das Geschehene zu überwinden und neue Kraft aus unseren Erinnerungen zu schöpfen.
Du wurdest nur 22 Jahre alt.

In nur einem Augenblick der Unachtsamkeit zerbrach dein ganzes Leben.
Du hattest eine hoffnungsvolle Zukunft vor dir. Und jetzt ?
Jetzt bist du irgendwo in der Unendlichkeit, in der Raum und Zeit keine Rolle spielen. Sonne und Mond gleichzeitig scheinen, Blumen nicht verblühen und das Singen der Vögel niemals verhallt.
Ich weiß nicht, ob du uns sehen oder hören kannst. Aber ich bin mir sicher, daß du deinen Frieden gefunden hast und nicht möchtest, daß wir um dich weinen.

Du hinterläßt eine Lücke. Eine Lücke, die niemand füllen kann und für immer
bleiben wird. Manchmal haben wir das Gefühl, als sei diese Lücke ein tiefes Loch, in
das wir hinterher springen möchten, nur um dir näher zu sein. In diesen Stunden zerreist uns das Herz. Es sind Stunden und Tage, an denen wir noch immer nicht begreifen wollen, daß du nie wieder kommst. Tage, an denen wir nicht klar denken und alles um uns herum nicht wirklich scheint. Tage, die nicht vergehen wollen und wir am liebsten unsichtbar für die Außenwelt wären, um unsere Trauer nicht zu verstecken. Tage, an denen wir schmerzvoll um dich weinen.
Aber es gibt auch Tage, an denen wir zurück blicken, wir über dich reden, uns an so viele schöne Momente und gemeinsame Erlebnisse erinnern, die wir nie aus unserem Gedächtnis streichen möchten. Erinnerungen, die den Schmerz nicht lindern, aber für die wir sehr dankbar sind. Erinnerungen, die dich niemals vergessen lassen.

Dein verschmitztes Lächeln, deine aufgeschlossene, zugängliche Art.
Dein enttäuschtes Gesicht, wenn nicht alles so lief, wie du es dir erhofft hattest.
Und dein Strahlen, über Dinge, die für andere nicht wichtig oder gar unsinnig schienen.
All das warst du. Ein junger Mann, und doch noch ein bischen Kind.

Tief in deinem Herzen warst du verletzbar, das machte dich zu einem feinfühligen Menschen. Du wußtest immer genau, wann es angebracht war seine volle Überzeugung zu äußern und wann nicht. Du warst nicht feige, nein, dein Handeln hatte einen Sinn. Du dachtest erst nach, bevor du geredet hast. Im Gegensatz zu deinem besten Freund Christian. Er plappert heute noch drauf los, ohne Luft zu holen. Du fehlst ihm. Wer soll ihn denn jetzt bremsen, wenn er vor gewagten Entscheidungen steht und deinen Rat braucht ? Und mit wem soll er denn jetzt stundenlang diskutieren, um dann am Ende recht zu bekommen, egal ob er wirklich recht hat oder nicht ?
Du warst sehr sparsam, Christian nicht, zwei gegensätzliche Charaktere, die wunderbar miteinander funktionierten. Einer glich den Anderen aus. Eure Freundschaft war etwas ganz besonderes. Du warst nicht nur Freund. Du warst
wie ein Bruder, auch für Christians Schwester Anne. Und für uns ein Sohn. Bei uns hattest du ein zweites zu Hause, ohne dabei zu vergessen, daß auch deine Eltern dich sehr lieb hatten. Sie ließen dir den Freiraum, den du brauchtest. Freiraum, um dich zu verwirklichen und zu entdecken was du wirklich willst.

Deine Scheeli-Couch gibt es noch. Sie wird es immer bleiben. Bilder von dir hängen an der Wand und jedesmal wenn wir den Computer anschalten lächelst du uns auf dem Bildschirm an.


Am 21. Juni 2002 haben wir dich auf deinem letzten Weg begleitet. Dieser Tag nähert sich wieder. Die Gedanken an dich hören nicht auf und ein Teil in unseren Herzen wird immer dir gehören.


Danke für die Zeit, die wir mit dir verbringen durften.
Deine Oestie - Familie




















  12. Dezember 2005
Lieber Scheeli,

es ist lange her, daß ich meine Gedanken für dich aufgeschrieben habe.
Es lag nicht daran, daß ich keine Zeit hatte.
Nein, Zeit hatte ich genug.
Es lag auch nicht daran, daß ich nicht mehr an dich denke.
Nein, wir denken sehr oft an dich.
Es war die Tatsache, daß es immer die gleichen Worte gewesen wären.
Worte, die nach dir suchen, die auf dich warten und Worte, die dich vermissen.

Gestern hatte mich deine Mutti mit in eine Kirche genommen.
Es war das erste Mal für mich, daß ich eine Kirche nicht nur besichtigte,
sondern Anteil nahm, die Wärme fühlte und Herzlichkeit.
Ich glaube nicht an Gott und dennoch war ich willkommen.

Der Gottesdienst war für dich. Für dich und weitere Kinder, die viel zu früh
verstorben sind.
Ein Gedenk - Gottesdienst mit leisen und lauten Klängen, mit Liedern und Gebeten.
Er spiegelte all das wider, was auch ich mir wünschte. Daß es dir gut geht,
und wir uns vielleicht doch irgendwann einmal wiedersehen.
Es spielte in diesen Momenten keine Rolle, an was oder an wen ich glaubte.
Es war die Hoffnung, die damit verbunden ist. Hoffnung, die uns wachsen läßt
und die Kraft gibt den Schmerz zu ertragen und vielleicht sogar zu überwinden. Hoffnung auf etwas, an das wir uns klammern und Trost finden.

In der Kirche erinnerte ich mich an vieles. An dein Lachen und an das liebevolle Chaos, daß ihr beide, du und Christian, immer veranstaltet hattet.
Es waren schöne Gedanken, aber sie taten auch weh.
Und als deine Mutti die Kerze für dich anzündete und laut deinen Namen sagte,
war es, als würde auch ich sie anzünden und ihre Tränen waren meine.






  14. Dezember 2006
Lieber Scheeli,

wieder ist ein Jahr vergangen und die Gedanken an dich beherrschen uns nach wie vor.
Ganz besonders in den letzten Tagen.
Dein Opa ist verstorben. Er war alt und sehr Krank und er sehnte sich nach dem Tod.
Du dagegen, bist jung, gesund und wolltest nicht freiwillig von uns geh'n.

Ich möchte dir heute über ein Ereignis schreiben, daß ich nicht so recht verstehe.
Ein Ereignis, daß mich etwas verwirrt, mir aber auch gleichzeitig ein schönes
Gefühl schenkt.
Dein Opa ist zu Hause gestorben. Das war sein Wunsch. Ganz ruhig und friedlich.
Deine Mutti und dein Vati waren bei ihm. Nachdem er eingeschlafen war, zogen
wir ihm seinen schönsten Anzug an. Der dunkle, den er an seinem 80zigsten
Geburtstag trug. Und wir schoben ihm ein Buch in seine gefalteten Hände. Es ist
für dich. Deine Mutti hatte es ausgesucht, weil es für euch beide zutrifft.
Denn es hat den Titel ,, Wie lieb ich dich hab ".
Dein Opa sah so zufrieden aus und er würde dich nun bald wiedersehen.

Du weißt, daß ich zwar hoffe, daß es irgendwo einen Platz gibt, an dem
Verstorbene ihre letzte Ruhe finden, aber an Gott glaubte ich nie.
Bis zu dem Augenblick, als die Männer vom Beerdigungs-
institut deinen Opa in den Sarg legten und ihn verschließen wollten. Genau in
diesem Moment ging die Tür vom kleinen Nebenzimmer einen Spalt breit auf,
obwohl niemand in seiner Nähe war.
Vielleicht gibt es dafür eine ganz simple Erklärung. Vielleicht könnte es aber auch sein, daß sich die Seele deines Opas in diesem Moment
befreit hatte und zum Himmel stieg. Und daß du es warst, der ihm diese Tür
öffnette.
Ich würde so gerne daran glauben.

In Liebe, deine Oestie-Mam